Schneegeboren von Marlies Lüer – eine Rezension

Meine Eindrücke nach diesem Leseerlebnis!

Marlies, ich liebe dich für diese gewagte Märchen-Neuinszenierung, die so viel mehr ist als nur ein Märchen!

Achtung, nur für Frauen! (Aber vielleicht sollten Männer auch mal reinlesen …)

Der ein oder andere wird jetzt mit den Augen rollen und sich denken: „Was ist mir der denn los?! Schon wieder Romantik? Und jetzt auch noch Märchen? Das war’s, ich steig aus.“
Der ein oder andere wird wohlig seufzen und sich denken: „Ach, wie schön. Jetzt ist diese Verrückte auch endlich im Reich der Schönheit und Liebe angekommen.“

Natürlich scherze ich ein bisschen rum, aber ich habe selber über die plötzliche Lust auf Prinzessinnengeschichten gestaunt, die so plötzlich über mich kam. Ich bin schon vor einiger Zeit auf dieses Cover (wieder mal) aufmerksam geworden, als ich in den letzten Zügen der Veröffentlichungsarbeit für mein Debüt steckte.
Das Cover sprach mich an. Dann las ich einige Textauszüge, und sie waren so gut geschrieben, dass dies meine Neugier nur noch stärkte. Ich hatte so großen Durst, nach einer Geschichte, die mein Herz öffnen würde, die mich träumen lässt und doch bodenständig genug ist, um mich vollends zu überzeugen.

Schneegeboren hallt nach, bei mir zumindest. Es ist das erste Buch, das ich von Marlies Lüer gelesen habe, doch ich kann jetzt schon sagen, dass die Frau ihr Handwerk versteht. Das Buch hat mich unterhalten, nachdenklich gemacht, ich habe gelacht und einmal sogar geweint. Und, das Wichtigste: es hat mich an einer gewissen Stelle auch wütend gemacht und unzufrieden hinterlassen. Und das ist gut. Warum? Weil es eben deshalb nachhallt.

Was Marlies alles in ein „einfaches Märchen“ gepackt hat, ist toll. In diesem Buch vereint sind die Freundschaft, die Liebe (aber nicht von der schmalzigen Art, keine Sorge), Zuwendung, Unheil, schwere Entscheidungen und der Tod.

Über all dem thront die Schifferstochter Rilka, oder besser gesagt, sie vereint all das in ihrer Person. Sie ist wirklich eine selten gelungene Prinzessin wider Willen – sie ist liebevoll, loyal, eigen, lustig, ungehalten, fähig zu ungeschönter Selbstreflexion und mutig genug, neue Wege so einzuschlagen, dass sie nie einfach nur „einfach“ sind. Sie stürzt sich ins Ungewisse, und das mit dem Kopf voraus. Warum? Weil sie ihre Liebsten schützen will, und weil sie sich selbst treu bleiben muss.

Sie ist, wie schon erwähnt, eine Schifferstochter.
Übrigens, und das hat jetzt gar nichts mit dem Buch zu tun: aber gerade eben, in dem Moment als ich das Wort Schifferstochter schrieb, wurde mir bewusst, was Schiffer im Namen Claudia Schiffer bedeutet … 🙂

Zurück zu Rilka! Sie ist also, wie mittlerweile schon mehrmals erwähnt, eine Schifferstochter. Oft, wenn das Leben ihr übel mitspielt, besinnt sie sich auf ihr Erbe, auf ihre Herkunft. Leute des Meeres sind hart im Nehmen. Sie sind nicht weichgespült und ängstlich, sondern stolz und realistisch. Sie nehmen das, was das Meer und das Leben ihnen gibt, und wissen, dass es ihnen wieder weggenommen werden kann. Verluste nehmen sie in Kauf – wenn es schmerzt, besinnen sie sich auf ihren inneren Reichtum. Der von Gemeinschaft, Zusammenhalt, Traditionen und dem Gedenken der Ahnen kommt.

Früher habe ich nicht verstanden, was man dem Schmerz und Verlust Positives entnehmen kann. Erst mit den Jahren habe ich begonnen, zu verstehen. Ich finde, „Schneegeboren“ geht gut mit diesem Thema um, subtil, fein und fern von jeder Inszenisierung. Verlust lässt sich ertragen, wenn man die Liebe zulässt. Ich liebe es, wenn Bücher mir solche Denkanstöße vermitteln.

Ich möchte, wie ihr wisst, nicht unnötig viel über das Buch verraten, deshalb beschreibe ich euch lieber meine Gedanken zum jeweiligen Titel, statt euch eine Inhaltsangabe mit offenem Ende zu geben. Ich denke, ich werde diese Rezension dabei belassen, denn alles Wichtige wurde von mir erwähnt.
Nur so viel sei noch gesagt: Bei aller Kurzweiligkeit, und bei all der guten Unterhaltung, die dieser zauberhafte Roman bietet -„Schneegeboren“ ist nicht einfach nur ein romantisches Märchen. Es ist viel mehr als das. Wenn ihr euch darauf einlasst, werdet ihr belohnt.

Von mir also unzweifelhaft eine Leseempfehlung.

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