Der Fluch der goldenen Stadt von Sascha Rimpl – eine Rezension

Meine Eindrücke nach diesem Leseerlebnis!

Sascha Rimpls Debütroman hat mir wieder mal bewusst gemacht, warum ich Bücher von Selfpublishern so liebe. Sie gestalten frei!

Ein tolles Cover, das die Geschichte gut wiederspiegelt!

Natürlich verdient nicht jeder SPler das Prädikat Lesenswert, ganz im Gegenteil – aber mein Blog legt den Focus genau auf diese wertvollen, lesenswerten Bücher, die im Eigenverlag publiziert wurden. Und davon gibt es wirklich so einige. Die Vielfalt scheint schier unerschöpflich und jeder von uns Selfpublishern kann auf ein anderes, bunteres, edleres, ungezähmteres Pferd setzen, als im Mainstream üblich.

In Sascha Rimpls Fall ist dieses Pferd ein ungezügeltes, ungehobeltes Prärieross, das gerne bockt, doch dabei durchaus alle Tricks und Kniffe kennt, die ein gestandenes Wildpferd kennen muss.

Für mich war dieses Buch starker Tobak, vor allem deswegen, weil ich etwas Ähnliches nie zuvor gelesen hatte und massig Eindrücke auf mich zuströmten, die ich erstmal kaum einordnen konnte. Starker Tobak nicht im Sinne von schwer verdaulich, aber mich unterschiedlichen Reizen aussetzend, die mir vom Buchkonsum bislang unbekannt waren. Beginnend mit einem Setting, das mich mal mehr, mal weniger dezent an die Star Wars Filme erinnert hat, mir jedoch im Bücheruniversum bis jetzt nicht über den Weg gelaufen ist, über eine Vielzahl von völlig verrückten Rassen und Schauplätzen, eindrucksvollen Charakteren, bis hin zu einem Ende, das einfach … krass war. Ich glaube, ein derart krasses Ende werdet ihr höchst selten lesen.
Danach war ich jedenfalls baff. Ich hatte das Gefühl, nach diesem Buchgenuss erst einmal meine Gehirnwindungen wieder zugänglich machen zu müssen – für den mainstreamigeren Gebrauch meines Hirns, der ja meinen eigenen Schreibprozess mit einschließt. Vor der Rezension habe ich mich lange gedrückt, denn ich hatte Schwierigkeiten, zu beschreiben, was dieses Buch mit mir angestellt hat.

Gehen wir es also in Babyschritten an.
Zuallererst wäre da der Schreibstil des Autors. Der ist wirklich ausgefeilt. Er bietet wunderbare, schräge, originelle Formulierungen. Die sprachliche Qualität ist top und der teils derbe, aber facettenreiche Humor mag für manche gewöhnungsbedürftig sein, doch mir hat er mehrmals das ein oder andere Grinsen entlockt.
In anderen Rezensionen habe ich Hinweise auf die im Buch enthaltene Erotik entdeckt. Mich als Leser würde so ein Hinweis eher erschrecken, denn es gibt für mich kaum etwas zermürbenderes und peinlicheres als langatmige Sexszenen in einem Buch. Aber in Sascha Rimpls Roman habe ich die erwähnte „Erotik“ nur in Form von lustigen Andeutungen und Gedankengängen des Protas gefunden und das ist meiner Meinung nach ziemlich vertretbar, es passte außerdem wunderbar zum Setting.

Das Werk lässt sich für mich absolut keinem Genre zuordnen. Am ehesten ist es ein Krimi/Thriller in einem Urban Fantasy/SciFi Setting. Der Jandarm Simon bekommt von einer geheimnisvollen Auftraggeberin eine Liste mit fünf Todeskandidaten und ein ordentliches Bearbeitungsgeld zugesteckt. Er soll verhindern, dass die Todeskandidaten sich vom Tod finden lassen, der vielleicht in Gestalt der „Hektaten“ daherkommt, vielleicht aber auch in Gestalt von irgendetwas anderem. Anhaltspunkte gibt es erstmal wenige. Alles ist absolut nicht das, was es zu Anfang scheint und Simon findet sich recht schnell in einer Flut der Geschehnisse wieder, die stürmisch über ihm zusammenbrechen – und ihn dabei unter sich zu begraben drohen. Das klingt tausendmal gelesen, bzw. in Filmen oder Serien gesehen? Ja, aber Sascha Rimpl hat eine Welt erschaffen, die nichts Bekanntem gleicht und Charaktere, die erfrischend anders sind. Dabei erlebt der Leser hollywoodreife Verschwörungstheorien, rätselt, wer oder was denn nun die geheimnisvollen Hektaten sind, die sich ungreifbar durch das gesamte Buch ziehen und hat mal den, mal jenen Verdacht.

Der Ort des Geschehens (zumindest in weiten Teilen) ist Yrrkand, eine Metropole, in der der Autor sich so richtig ausgetobt hat. Die Stadt ist sehr detailreich ausgearbeitet in all ihren diversen Stadtteilen, sie hat mir in den Ohren gedröhnt, mir heftige Bilder von Betonlandschaften, Schutt, Gebäudedschungel und favelaähnlichen Armenvierteln im Kopf verpasst, den Eindruck hinterlassen, dass sie nie schläft und ein riesenhafter, unmöglich zu überblickender und stinkender Moloch ist, in dem sich alle möglichen und unmöglichen Typen tummeln. Ich liebe so etwas, denn je mehr Hintergrundinformationen und kleine Schmankerl für mich fassbar werden, je besser ein Setting ausgebaut ist, desto mehr fasziniert mich die Welt des Autors/der Autorin. Und Yrrkand ist wirklich einen Abstecher wert.

Der Protagonist und seine geheimnisvolle Auftraggeberin sind wie Wasser und Feuer – Simon ist träge, trinkt zu viel, ist ziemlich entspannt und nimmt sich selbst nicht sehr ernst. Er ist mir von Anfang an sehr sympathisch gewesen, denn er ist ein Antiheld durch und durch und ich bin nunmal Fan von Antihelden. Die geheimnisvolle Fremde ist … eben eine geheimnisvolle Fremde! Sie könnte buchstäblich Alles sein, aber vor allem ist sie völlig undurchsichtig.

Soweit habe ich wahrscheinlich alles zu „Der Fluch der goldenen Stadt“ gesagt, was ich loswerden wollte. Wie immer, habe ich keine ausschweifenden Inhaltsangaben gemacht sondern rein subjektiv drauf los geplappert, aber das kennt ihr von mir ja schon. Meiner Meinung nach ist Sascha Rimpls Roman absolut lesenswert, denn er traut sich was!

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