In the death car und die Lust zu leben

Das große Thema des gestrigen Tages war für mich der eigene Tod und Dankbarkeit. Das waren zwar nur zwei Elemente eines Coachings zum Thema “Zuwendung”, das ich mit meiner Autorenkollegin/ dem Coach Marie Gräff hatte – für mich waren das die zwei wichtigsten Elemente unseres Gesprächs und die, die am meisten nachhallten.

Nach dem Gespräch war ich erschöpft und habe mich für eine Stunde hingelegt. Ich bin eingeschlafen und hatte einen seltsamen Traum. Ich war unterwegs zu meiner Großmutter (sie wird bald 90 Jahre alt) und ich habe sie angetroffen – in Gestalt eines Babys, das ich in den Arm nahm und an mich schmiegte. Dann habe ich mit ihr getanzt, zu einer wunderschönen Musik, die auf einmal spielte. Ich kann kaum meine Gefühle beschreiben, die dieser Traum hervorgerufen hat. Das Ende eines Lebens und der Beginn, so nah. 

Marie hat mir während des Coachings eine Frage gestellt, die bestimmt jeder von euch schon einmal gehört hat. Trotzdem empfehle ich, euch noch einmal Gedanken dazu zu machen, denn die Antwort darauf kann so schön klärend sein. Die Frage lautet:

“Wie würde euer Leben aussehen, wenn ihr wüsstet, ihr habt noch 1 Jahr?”

Ich jedenfalls war überrascht, wie anders ich in einem solchen Fall meine Prioritäten setzen würde und ich war auch überrascht (und das nicht zu knapp) über meine absolute Klarheit der Dinge für einen solchen Fall. Ich wusste genau, was ich tun würde und was nicht (mehr). Und welche Dinge plötzlich in den Hintergrund gerückt sind, die ich momentan als absolute Priorität empfinde.

Den ganzen Tag dachte ich über meinen eigenen Tod nach, die Zeit, die wir haben und die Art, wie wir sie nutzen. Der Gedanke an den Tod, der mich seit etwa zwei Jahren regelmäßig besucht. Früher habe ich nicht daran gedacht, dass meine Zeit endlich ist, jetzt denke ich vielleicht ein bisschen zu viel darüber nach. Aber es kommt von selbst zu mir, ich kann gar nicht viel dagegen tun. Seit einiger Zeit habe ich Angst, dass mir nicht mehr viel Zeit auf dieser Erde bleibt. Ich weiß nicht, woher auf einmal diese Angst kommt, sie war plötzlich einfach da. Eine Freundin meinte, dass diese Angst bei ihr auch aufgetaucht ist, als sie 40 wurde. Vielleicht ist das normal in dem Alter, dass man sich schon so seine Gedanken macht? Keine Ahnung.

Das Gespräch mit Marie jedenfalls hat das Thema wieder aufgerollt, jedoch diesmal nicht angstbesetzt. Eher energiespendend. Passend zu diesen Gedanken fiel mir ein alter Song wieder ein, nämlich “In the death car”, von Iggy Pop und Goran Bregovich. In dem Song taucht der Satz In the death car, we’re alive auf. Wie einfach und passend. Der bloße Gedanken an den eigenen Tod kann Energie freisetzen und Dinge ordnen, wenn man es zulässt.

Marie hatte mich außerdem gefragt, für was ich Dankbarkeit empfinde. Es stellte sich heraus, dass das für mich eine schwere Frage ist, denn ich empfinde keine Dankbarkeit. Alles, was in meinem Leben momentan gut ist, ist gut, weil ich an einem bestimmten Punkt eine gute Entscheidung getroffen habe. Und alles, was schlecht ist, ist schlecht, weil ich an einem bestimmten Punkt eine schlechte Entscheidung getroffen habe. Nichts ist “gottgegeben”, zumindest nicht für mich. Für die guten Dinge in meinem Leben musste ich hart arbeiten und kämpfen. Ich bin froh, dass ich so einiges geschafft habe, aber dankbar? 

Doch dann, als mir der oben genannte Song einfiel, wurde mir bewusst, dass es doch Dinge gibt, für die ich dankbar gibt – doch dafür muss ich weiter zurückgreifen.

Alles, was ich über Musik weiß, habe ich meiner Mutter zu verdanken. Sie war es, die mit ungezügelter Neugierde und Begeisterung immer wieder neue Musiker entdeckt hat und mich mit ihrer Begeisterung angesteckt hat. Dank ihr lief immer Musik bei uns zu Hause. Meine Mutter hat auch immer meinen eigenen Musikgeschmack akzeptiert, war immer interessiert daran, was ich höre. Selbst, wenn das Guns ‘n’ Roses war und sie Axl Roses Gekreische nicht immer gut vertragen hat. Ich konnte mit ihr immer über Bands reden, die mich gerade beschäftigt haben und sie war eine grenzenlos offene Zuhörerin. Außerdem hatte sie selbst auch immer etwas dazu zu sagen.
Als ich etwa 17 Jahre alt war, hat sie mich auf ein Konzert von meiner damaligen Lieblingsband No Doubt begleitet. Das war 1996. Ich hatte eine flauschige Hose mit Leopardenmuster an, die meine Mutter mir genäht hatte. Wir mussten so lachen, als die Sängerin Gwen Stefani auf der Bühne auftauchte – und ebenfalls eine Hose in Leopardenoptik anhatte! Und dann ist meine Mutter ausgelassener zur Musik herumgehüpft als ich. 

Das ist nicht meine einzige Konzerterinnerung mit meiner Mutter, aber es ist mir die liebste. Ja, ich bin dankbar, dass ich in einem musikalischen Umfeld aufwachsen durfte, denn die Musik hat mir in meinem Leben immer wieder sehr geholfen. Zu einem Zeitpunkt, als ich Emotionen nur beim Hören von Musik zulassen konnte, hat sie mir geholfen, mit mir selbst fertigzuwerden. Mich nicht völlig zu verlieren. Wenn mich Musik tief im Inneren berührt und mir die Tränen kommen, wenn ich den unbändigen Drang verspüre, zu tanzen, wenn ich die Augen schließe und die Musik in mir fühle, statt sie nur zu hören, dann bin ich dankbar und der Tod ist mir egal.

Und wie ist das bei euch so? Für was seid ihr dankbar und wie würde euer Leben aussehen, wenn ihr wüsstet, ihr habt noch 1 Jahr?

In the death car“ von Goran Bregovich und Iggy Pop.

2 Kommentare zu „In the death car und die Lust zu leben“

  1. Wow, was für ein berührender Text. Wie schön, dass ich dich dazu inspirieren konnte. ❤

    Alles Liebe, Marie

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  2. Ich kann bestätigen, die Gespräche mit Marie verändern den Zugang zu sich selbst, die Perspektive ist eine andere, Danke für den beeindruckenden Text! Großartig und authentisch, liebe Grüße,
    Barbara

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